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Alana Gebremariam - Ein Gesicht von vielen hinter den Protesten in Belarus

Wenn Menschen in Deutschland auf die Straßen gehen, um für ihre Überzeugung friedlich zu demonstrieren, können sie das tun ohne mit persönlichen Konsequenzen zu rechnen zu müssen Weder werden sie auf der Demonstration angegriffen oder verhaftet, noch hat ihre Teilnahme einen Einfluss auf Privat- oder Berufsleben. Dass das ein Luxus ist, zeigten die Gewaltexzesse seitens der Regierungsbehörden gegen die seit August 2020 andauernden Proteste in Belarus, die sich nach der mutmaßlichen Wahlfälschung formierten.

Die belarusischen Demonstrant:innen sind nicht nur der Gewalt durch Polizei und anderen Sicherheitskräften ausgesetzt. Ihr demokratischer Widerstand wirkt sich häufig auch auf ihre Zukunft aus. Während grundlose Verhaftungen von Demonstrant:innen anscheinend in Belarus Mode geworden sind, müssen vor allem Studierende mit harten Sanktionen rechnen. 413 Studierende sind bereits aufgrund politischer Aktivitäten verhaftet worden (Quelle: Belarusian Student Association, Stand 01.02.2021). Weitere 131 wurden von ihrer Universität zwangsexmatrikuliert. Lukaschenka drohte bereits allen Studierenden, die an nicht genehmigten Protesten teilnehmen, mit der Exmatrikulation.

Gerade die Exmatrikulation bedeutet für viele Studierende einen Bruch in der Lebensplanung und ist oft mit einer Flucht ins Ausland verbunden. Trotzdem tragen Studierende einen großen Teil zur Mobilisierung der Massen bei. Eine der wenigen unabhängigen Studierendenvereinigungen, die Belarusian Student Association (BSA) —dazu später mehr— organisiert Streiks unter der Studierendenschaft und unterstützt die Proteste der Arbeiter:innen. Aus diesem Grund waren die Organisation und ihre Mitglieder früh von harten Repressionen betroffen.

Eines der bekanntesten Gesichter der Gegenbewegung und Vorstandsmitglied der BSA ist Alana Gebremariam. Alana, die im Koordinationsrat von Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja sitzt, hat in Belarus bereits viele bemerkenswerte Dinge erreicht. Sie ist nicht nur eine der bekanntesten Personen in der Bewegung gegen Lukaschenka Ihr ist es außerdem gelungen, sich als erste Person of Colour für die Parlamentswahlen aufstellen zu lassen.

Ihr Erfolg und ihre Stimme sind hoch und laut, allerdings bedeutet das in Belarus oftmals nichts Gutes. Am 12. November 2020 wurde Alana verhaftet und sitzt seit dem 13. November in Untersuchungshaft. Ihr wird vorgeworfen gegen Artikel 342 des belarusischen Strafgesetzbuches verstoßen zu haben. Alana wird demnach der groben Störung der öffentlichen Ordnung verdächtigt.

Die Verhaftung eines offiziellen Mitglieds der Opposition erregte selbstverständlich auch Aufmerksamkeit über die Landesgrenzen hinaus. So wurde beispielsweise das Aktionsbündnis Belarus (siehe Artikel vom 08.12.2020) kurz nach ihrer Verhaftung von zwei Bekannten Alanas gegründet. Mittlerweile hat die Gruppe von Aktivist:innen mehrere Veranstaltungen organisiert und Akteur:innen in Politik, Medien und Zivilgesellschaft erreicht. Des Weiteren ist ihr Schicksal sogar im Europäischen Parlament angekommen. Dr. Katarina Barley, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, übernahm wenige Tage nach ihrer Verhaftung die Partnerschaft für Alana.

Demokratie, eine faire Hochschulpolitik und das Wohl der Studierenden sind die Ziele, für die sich Alana einsetzt. Passend dazu ist ihr Sitz im Vorstand bei der Studierendenorganisation BSA. Die BSA wurde bereits Ende der 80er Jahre gegründet und setzte sich seither für mehr Demokratie an Universitäten und in der Gesellschaft ein. Beeindruckend ist, dass die Belarusian Student Association bereits nach ihrer Gründung unabhängig von der kommunistischen Jugendorganisation in der Sowjetunion agierte.

Neben dem Streben nach besserer Hochschulbildung und dem Einsetzen für die Rechte und Interessen der Studierendenschaft sind vor allem zwei konkrete Ziele der BSA interessant. Zum einen möchte die Organisation ein besseres Nationalgefühl erreichen, indem die belarusische Sprache in Bildung und Wissenschaft verbreitet werden soll. Zum anderen möchte man mehr europäische Standards in die Bildung integrieren, um so Belarus zu modernisieren und veraltete Abläufe zu verbessern.

All das zeigt, dass der Widerstand in Belarus vor allem unter Studierenden stark und präsent ist. Alana, die BSA und die zahlreichen Menschen, die auf Demonstrationen ihre Zukunft und ihr Wohlergehen gefährden, zeigen, dass jeder und jede für das eintreten sollte, was ihm oder ihr wichtig ist. Obwohl von den seit Monaten andauernden Protesten in den Nachrichten nicht mehr viel zu sehen ist, denken die Menschen in Belarus nicht ans Aufgeben. Und durch Gruppen wie dem Aktionsbündnis Belarus werden ihre Taten auch in anderen Ländern der Welt Gehör finden und ihre Schicksale nicht vergessen.

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