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Büchertipp 1: Invisible Women/Unsichtbare Frauen

Aktualisiert: 4. Nov 2020

*bearbeitet*


Manche Bücher lösen in uns Freude aus, manche Neugier, manche Traurigkeit. Dieses Buch löst in mir Ärger aus, aber auch einen Funken Hoffnung. Caroline Criado Perez, britische Journalistin, Autorin und feministische Aktivistin, brachte 2019 das Buch Invisible Women raus. Der komplette Titel: Invisible Women: Exposing Data Bias in a World Designed for Men. Ein guter Hinweis für den zu erwartenden Inhalt.


Perez verschafft in diesem Buch einen Überblick über all die Lebensbereiche, in denen cis-Frauen durch fehlende Daten diskriminiert und benachteiligt werden. Eine Entwicklung, die nicht gerade absichtlich war – cis-Männer haben sich nicht zusammengesetzt und überlegt, wie sie die Welt für cis-Frauen ein Stück schwerer machen können, sie haben es lediglich vergessen. Und wenn man bedenkt, dass cis-Frauen über 50% der Weltbevölkerung ausmachen ist das ein eher signifikanter Fehler. Perez konzentriert sich aber nicht nur auf die fehlenden Daten, sondern zeigt auch an Hand von Beispielen, dass diese manchmal sogar lebensgefährliche Ungleichheit zwischen cis-Frauen und cis-Männern abgeschafft werden kann. Perez greift auf Statistiken und Beispiele aus der ganzen Welt zurück. Auch Deutschland bietet Statistiken, die immer wieder als Vergleich dienen und so das Buch für uns vielleicht auch noch interessanter machen.


Von der Medizin und Forschung, über den öffentlichen Nahverkehr, zu der Größe von Kunstmappen, unbezahlte Arbeit und Autos, die für Männern designt sind, birgt dieses Buch Einblicke, die manchmal schockierend, manchmal deprimierend sind. Umso mehr zeigt es jedoch, dass es ein Buch ist, das gelesen werden muss – von cis-Frauen und cis-Männern, von Wissenschaftler*innen und Menschen in Führungspositionen.


Denn das Problem zu kennen ist der erste Schritt zur Lösung oder? Vielleicht nicht ganz, bzw. das ist nicht die ganze Geschichte.

Trotz der vielen Erkenntnisse, die dieses Buch bietet ist es mit Vorsicht zu genießen. In letzter Zeit sind Vorwürfe der Transphobie gegen Caroline Criado-Perez aufgetaucht. Viel Kritik hat das Buch auch bekommen, da von nur zwei Geschlechtern geschrieben wird - weiblich im Sinne XY und männlich im Sinne von XX. Allerdings hat die Wissenschaft schon bewiesen, dass es deutlich mehr Geschlechter als nur zwei gibt. Perez hat diese in ihrem Buch nicht berücksichtigt, obwohl davon ausgegangen werden kann, dass beispielsweise trans- und inter Personen besondere Diskriminierung erfahren. Hat man das Buch schon gelesen oder möchte dies noch tun, sollte man sich der stark eingeschränkten Perspektive bewusst sein und ein kritisches Auge auf die Erkenntnisse haben.

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