• Gesche Andert

Die EU rettet Leben

Stell dir vor: Corona ist vorbei. Wir dürfen wieder reisen. Du und deine Freund:innen sind im Urlaub in Kroatien – Strandurlaub. Endlich entspannen. Plötzlich kommt eine deiner Freund:innen mit einer Verletzung aus dem Wasser zurück. Sie ist in einen Seeigel getreten und ihr müsst den Notruf wählen. Zwei deiner Freund:innen fangen an, wild nach der Notrufnummer in Kroatien zu googeln. Du nicht – du weißt es besser, denn du hast diesen Artikel gelesen. Du wählst die 112.


Seit 1991 gibt es EU-weit die gleiche Notrufnummer. Gebührenfrei und länderübergreifend kann man im Notfall die 112 wählen und bekommt Hilfe. Aber wie funktioniert das?


Bei einem Notruf wird das stärkste Netz ausgesucht, unabhängig vom persönlichen Netzanbieter. Den Anruf nimmt die nächstgelegene Zentrale bzw. Rettungsleitstelle entgegen und leitet den Notfall dann entweder an die Polizei, die Feuerwehr oder den Notarzt weiter. Der Anruf wird außerdem automatisch geortet, deine Rufnummer ist für die Mitarbeitenden auch sichtbar, egal, ob du sie auf deinem Gerät unterdrückt hast.

Aber du bist ja in Kroatien und sprichst die Sprache gar nicht? Die Mitarbeitenden in den Leitstellen können oft die Sprachen der Nachbarländer, Englisch ist ansonsten der gemeinsame Nenner. Auch in manchen Ländern außerhalb der EU kann 112 funktionieren, der Anruf wird einfach an die jeweilige nationale Notrufnummer weitergeleitet. So zum Beispiel in Südafrika, Costa Rica, Kanada und den USA.

In der Vergangenheit war es möglich die 112 auch ohne SIM-Karte zu wählen, das geht jetzt nicht mehr. Leider wurde das zu oft missbraucht und die Leitzentralen haben immer wieder falsche Anrufe bekommen. In dieser Zeit können keine echten Notrufe angenommen werden. Lebenswichtige Minuten verstreichen unnötig. Anrufe ohne Grund sind daher auch strafbar.


Das Schengen-Abkommen erlaubt uns, uns frei in der EU zu bewegen. Wir können in kürzester Zeit von einem Land ins andere. Hierbei kann die Möglichkeit, immer Hilfe zu bekommen, Leben retten. Aber einen Notruf zu tätigen kann Stress und Panik auslösen. Dass es in der ganzen EU nur eine Notrufnummer gibt, kann hier Abhilfe schaffen. Dazu müsste man die Nummer aber natürlich auch kennen. Leider wissen in Europa nur wenige Menschen, dass die 112 EU-weit gilt. Das Eurobarometer, eine jährliche Meinungsumfrage der EU-Kommission in den Mitgliedsstaaten, hat 2013 herausgefunden, dass nur 17% der Deutschen wussten, dass 112 EU-weit gilt. In Polen waren es damals immerhin 57%. Um die Bekanntheit des Euronotrufs zu steigern, wird seit 2009 am 11.2. (aus offensichtlichen Gründen) der europäische Tag des Notrufs gefeiert.


Zurück nach Kroatien. Du hast Glück, die Person am anderen Ende der Leitung spricht deutsch. Jetzt beantwortest du noch die 5 W‘s. Wo ist etwas passiert? Was ist passiert? Wie viele Verletzte gibt es? Welche Arten von Verletzung gibt es? Und: Warten auf Rückfragen!


Voila – ein erfolgreicher Notruf in der EU.


28 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen