• Paula Pötschick

Karl und die Kunst

Aktualisiert: Okt 22

Ob Karl Marx Künstler war bezweifle ich stark. Die Skulpturen in der Karl-Marx-Straße in Frankfurt (Oder) sind auf jeden Fall keines seiner Werke. Damit hört es mit der Gewissheit über die Schöpfer der Kunstwerke, die die Straße zieren aber auch schon auf. Es ist fast schon beeindruckend wie wenig das Internet zu diesem Thema ausspuckt. Das hält mich aber nicht davon ab, einen kurzen Spaziergang durch die Karl-Marx-Straße zu machen und dabei diese Skulpturen etwas genauer unter die Lupe zunehmen. Die erste der Skulpturen auf der linken Seite der Straße, direkt hinter der Lenné-Passage ist die „Sonate“ von Karl Höpert von 1985. Wer Karl Höpert genau ist hat meine Internetrecherche nicht ergeben. Wie diese fast schon kubistisch anmutende Plastik zu ihrem Namen kommt kann man auch nur erahnen. Aber wie immer liegt das wohl im Auge der Betrachtenden. Um einen chronologisch sinnvollen Spaziergang zu machen und keine Skulptur auszulassen führt uns der Weg über die Straße auf die rechte Seite zu der unbekleideten Frau ohne Titel von W. Arnold von 1950. Sie sieht nicht unbedingt glücklich aus, wie sie da steht und zu Boden guckt. Auch die Wassertropfen die senkrecht an der (wahrscheinlich) Kupferstatue herunterlaufen übermitteln eher weniger positive Gefühle. Das nächste Kunstwerk ist ein Ensemble auf Säulen von Eckhard Horrntann mit dem Titel: „Sinnender auf Kapitell“ von 1989, nebendem sitzenden Sinnenden gibt es auch eine stehende Figur auf einem Kapitell (Kapitell beschreibt das verzierte Podest auf dem die beiden montiert sind), bei der möglicherweise aber schon die Plakette verloren gegangen ist, sodass sie ohne Titel auskommen muss. Interessant bei beiden Säulen ist der jeweilige Schriftzug direkt unterdem Kapitell. Der eine besagt: „Ein Narr lässt seinen Geist auch mal aus–ein Weiser hält an sich.“, während bei auf dem anderen steht: „Eitel Honig reden seynd nit ohn Lueg.“. Damit ist die rechte Straßenseite künstlerisch erschöpft und wir können uns wieder der linken zuwenden. Dort gibt es einen Brunnen mit dem verheißungsvollen Titel „Leben“ von Christian Schulze von 1987. Wichtig dabei ist, dass das Wasser nicht trinkbar ist, wobei ich in retrospektive nicht unbedingt weiß, ob da überhaupt zu irgendeiner Jahreszeit Wasser durchfließt. Süß und bemerkenswert sind vielleicht die vier kleinen Tiere an den vier Wassermündungen. Eine Schnecke, ein Frosch, ein Vogel und eine Maus. Oben auf, in einander verknotet sitzen drei Personen. Wem welcher Arm und welches Bein gehört kann ich nicht genau sagen. Meine Lieblings Statue, ist der „Turm der Tiere“ von 1982 von Lutz Hähnel. Nicht die einzige dieser Art. Eine Kopie gibt es noch in Fürstenwalde/Spree. Wobei ich nicht genau weiß, welche als erstes da war. Beide zeigen ein Nilpferd, einen Bären, eine Ziege, einen Hasen und oben auf einen Raben. Die Anlehnung an die Bremer Stadtmusikanten ist nicht zu übersehen. Die vorletzte Statue heißt „Pan“ und zeigt einen unbekleideten Mann, der auf einem Podest sitzt. Diese Plastik stammt von Karl Möperl von 1985/87. Ein Pan ist nach meinen Shakespeare Kenntnissen ein Fabelwesen, halb Mensch halb Widder. Das Exemplar in der Karl-Marx-Straße hat zwei Füße mit jeweils fünf Zehenanstatt der sonst üblichen Hufen. Das ist wohl künstlerische Freiheit. Die Büste von Karl-Marx schließt diesen Spaziergang ab. Eingeweiht wurde sie am 5. Mai 1968 zum 150. Geburtstag Karl Marx’. Eine Kombination der Büste von Fritz Cremers und der Anlage drum herum von Arnd Wittig und Manfred Vogler. Am Ende bleiben wohl einige grundlegende Fragen ungeklärt. ZumBeispiel: Warum? Diese Skulpturen in einen Zusammenhang zu stellen grenzt wohl an eine künstlerische Leistung in sich selbst. Nichts desto trotz wertet Kunst in meinen Augen alles auf und wenn wir ehrlich sind hat die Karl-Marx-Straße das bitter nötig. Die Kunst tut Karl in meinen Augen gut.

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