• Linus Stampehl

Lichtspieltheater der Jugend

Aktualisiert: Okt 22

Traurig sieht es aus. Die Fenster eingeworfen und zersplittert. Die Fassade besprüht. Auf der Terrasse des ersten Stockes sprießt das Grün genauso wie auf den Stufen zum Eingang. Das Lichtspieltheater der Jugend, gegenüber des Kauflands im Zentrum, war lange Zeit dem Verfall überlassen. Benutzt wurde sein Vorplatz zwar noch regelmäßig, jedoch hauptsächlich, um das Alkoholverbot auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu umgehen und sich selbst zu erleichtern.

Doch seit kurzem nahm der*die aufmerksame Passant*in Veränderungen war. Der Bereich, in dem früher die Türen waren und der seit langem ein großes Graffito beherbergte, stach plötzlich durch seine sauberen, braunen Metalltüren hervor und wer Glück hatte, konnte an dem ein oder andere Tag schon einen Blick hinein erhaschen. Sollte hier, wo man den Verfall so ungestört beobachten konnte, wirklich etwas geschehen?


Foto und Titelbild: Georg Schilffarth

Gebaut 1910 als UFA-Filmtheater und nach einer Zwischennutzung als Brauerei mit Festsälen folgte nach Ende des Zweiten Weltkrieges die Eröffnung als Lichtspieltheater der Jugend – dem Namen, unter dem wir das Gebäude auch heute kennen. Der strukturelle Abschwung im Osten ließ jedoch auch dieses altehrwürdige Haus nicht unberührt. 1998 musste es schließen und wechselte in der Folgezeit immer wieder den Eigentümer. „Es gelang nicht, neue Nutzungen für das stadtbildprägende Gebäude zu finden“, schildert Jörg Gleisenstein, Baudezernent der Stadt, die Situation. Die Bevölkerung aber machte Druck und schließlich stellte die Stadtverordnetenversammlung Gelder für eine Machbarkeitsstudie bereit. „Nach seinem Amtsantritt im Jahr 2018 hat Oberbürgermeister René Wilke die Entwicklung beschleunigt und Gespräche mit der Eigentümerseite aufgenommen“, so Gleisenstein weiter. Ziel war es, das Objekt in kommunales Eigentum zu überführen und Anfang 2019 war es dann endlich so weit: Das Lichtspieltheater der Jugend gehört der Stadt.

Doch hat die Odyssee damit ein Ende? Auf den ersten Blick sieht es so aus. Vor dem Gebäude wehte zumindest zwischenzeitlich ein Plakat, was die Zukunft, so schien es, ankündigte und am Tag des offenen Denkmales konnte Jede*r das innere besichtigen. Ernüchternd ist: ein fertiges Konzept gibt es für das ehemalige Kino nicht. Licht am Ende des Tunnels ist jedoch sichtbar. Mit dem Kulturministerium und der Brandenburgischen Kulturstiftung gebe es einen intensiven Arbeitsprozess, so der Baudezernent. Ziel: Das Lichtspieltheater der Jugend als Standort des Landesmuseums für Moderne Kunst zu nutzen.


Wie genau der Plan ist, ist noch nicht bekannt. Doch klar ist, mit einem weiteren Museum würde der Stadt unter keinen Umständen Schaden angetan. Kunst und Kultur sind immer wieder Anzeichen, für aufstrebende Regionen. Sinnbildend hatte das Gebäude wie auch Frankfurt selbst, seine besten Zeiten hinter sich gelassen. Doch die Zukunft scheint für beide zu kommen und so dunkel sieht sie gar nicht aus.

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