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Offener Brief:

Aktualisiert: vor 2 Stunden

Für eine faire Umrechnung rechtswissenschaftlicher Noten im Studiengang Recht und Politik


18.05.2020, Frankfurt (Oder)


Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Kocher,

sehr geehrte Frau Prof. Dr. Thiele,

sehr geehrter Herr Prof. Dr. Häde,


vor dem Hintergrund, dass der erste Jahrgang des Studiengangs Recht und Politik bald seinen Abschluss erreichen wird und sich trotz zahlreicher Beschwerden der Studierendenschaft bisher nichts an der Bewertungspraxis geändert hat, schreiben wir, die Studierenden des Studienganges Recht und Politik, diesen offenen Brief.


Bisher werden unsere juristischen Benotungen mittels eines Standard-Schemas in kulturwissenschaftliche Noten übersetzt, bei dem es durch die unterschiedliche Bewertungskultur zwischen der Juristischen und der Kulturwissenschaftlichen Fakultät regelmäßig zu deutlichen Verschlechterungen des Notendurchschnitts zulasten der Studierenden kommt. Wer in einer juristischen Klausur mit 8 Punkten eine gute, überdurchschnittliche Leistung erzielt, muss damit leben, dass diese in eine für die kulturwissenschaftliche Fakultät unterdurchschnittliche 2,7 übersetzt wird. Eine durchschnittlich gute Jura-Klausur von 6 Punkten übersetzt sich gar in eine schwache kulturwissenschaftliche Note von 3,3. Es ist also wesentlich schwieriger und mit weitaus mehr Aufwand verbunden, an der Juristischen Fakultät umgerechnet gleich gute Leistungen zu erreichen wie an der Kulturwissenschaftlichen Fakultät.


Die unterschiedlichen Bewertungspraxen sind historisch gewachsen – als interdisziplinäre Studierende wissen wir, dass beide ihre Vorteile für die Bewertung im jeweiligen Fachbereich besitzen. Doch diese unterschiedlichen Bewertungen haben nun handfeste Auswirkungen auf die Abschlussnote unseres Bachelorstudiums, denn anders als im Jura-Studium fließt im BA Recht und Politik jede Klausur in unsere Endnote ein. Ein schwacher Abschluss kann den Weg zu attraktiven Masterstudiengängen, zu Praktika, Auslandsaufenthalten, Stipendien und in die Berufswelt behindern oder unter Umständen ganz versperren. Durch die aktuelle Regelung sind wir sowohl gegenüber Studierenden rein sozialwissenschaftlicher Studiengänge benachteiligt, die regelmäßig bessere Abschlüsse erzielen, als auch gegenüber Jura-Studierenden, da die besondere Bewertungspraxis an juristischen Fakultäten allgemein bekannt ist.


Ein Beispiel: Wer sich für einen Masterstudiengang an der Universität Oxford bewerben möchte und dafür das Äquivalent eines britischen „strong upper second-class undergraduate degree with honours“ nachweisen muss, benötigt als Bachelor-Student eine Endnote von mindestens 1,9, als Jurastudent eine Endnote von mindestens 6,5 Punkten. Studierende von Recht und Politik sind benachteiligt, weil sie gemeinsam mit Jura-Studierenden dieselben Klausuren schreiben – doch während den Jura- Studierenden im Schnitt 7 Punkte (diese werden in eine 3,0 übersetzt) genügen würden, bräuchten Recht-und-Politik-Studierende im Schnitt 11 Punkte, um über die Hürde von 1,9 zu springen.


Eine Änderung dieser unfairen Bewertungspraxis liegt aber nicht nur im Interesse der Studierenden, die eine realistische Chance auf attraktive Masterstudiengänge haben wollen – sie liegt als Steigerung der Attraktivität des Studiengangs auch im Interesse der Universität! Der Studiengang Recht und Politik schärft das interdisziplinäre Profil der Universität; und er bringt engagierte, kritisch denkende Studierende an die Viadrina, die sich zahlreich in studentischen Gremien und Initiativen engagieren und so eine echte Bereicherung für unsere Universität darstellen. Und doch sinken die Einschreibungszahlen für den Studiengang leider deutlich; die Attraktivität des Studiengangs könnte erhöht werden, indem dieser endlich studierendenfreundlicher gestaltet wird.


Eine mögliche Lösung des Problems liegt auf dem Tisch (siehe Anhang): Je nachdem, wie der Schnitt eines Jurakurses ausfällt, könnte dieser mit einem Schwierigkeitsindex eingestuft werden. Die Studierenden des Studienganges Recht und Politik könnten davon ausgehend eine angepasste Note erhalten, die der unterschiedlichen Bewertungspraxis Rechnung trägt.


Dies wäre eine Möglichkeit, wie ohne allzu großen Aufwand eine faire Lösung für die Studierenden erzielt werden könnte. Wir sind auch bereit, über konstruktive Gegenvorschläge zu diskutieren, die dieses Problem ernsthaft abzumildern in der Lage wären. Eile ist geboten, denn je länger dieser Prozess dauert, desto mehr Studierende verlassen die Universität, ohne dass eine Lösung für das Problem ihrer Notenumrechnung gefunden wurde.


Daher fordern wir Sie auf: Setzen Sie sich mit uns an einen Tisch, und lassen Sie uns gemeinsam schnell handeln, damit Studierende und Universität möglichst bald von einem attraktiveren Studiengang Recht und Politik profitieren können!


Die Studierenden des Studiengangs Recht und Politik

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