• Nathalie Trappe

Von einem Land, in dem Universitäten nicht frei sind

Aktualisiert: 30. Dez 2020

Während sich manche Studierende hierzulande über das digitale Semester beschweren, bestehen in Belarus echte Probleme in der Hochschulpolitik. Das Aktionsbündnis Belarus spricht sie an und zeigt, was jeder und jede dagegen tun kann.


Wir alle dürften mittlerweile aus den Nachrichten die Bilder von Protesten in Belarus kennen. Wir wissen, dass es in diesem Land alles andere als demokratisch zugeht. Wir wissen außerdem auch, dass der Machthaber Lukaschenka seit Jahren durch Wahlbetrug seine Wiederwahl sichert. Was den meisten von uns allerdings nicht bewusst ist, ist die dramatische Lage des Hochschulsystems in Belarus.

„Es ist unfassbar, dass sowas im 21. Jahrhundert, in dieser modernen Welt, überhaupt noch möglich ist.“, erklärt Teresa aufgebracht. Sie ist Mitbegründerin des Aktionsbündnisses Belarus von Studierenden aus Frankfurt (Oder), Berlin und Görlitz, das als Reaktion auf das Verschwinden der belarusischen Studentin und Aktivistin Alana Gebremariam entstand. Seit vielen Jahren setzte diese sich für ein demokratisches Belarus und die Mitbestimmung von Studierenden im Hochschulsystem ein. Wie momentan über hundert weitere Aktivist:innen wurde Alana nun aber vom KGB festgenommen und inhaftiert, ihr drohen bis zu drei Jahre Haft. Im Gegensatz zu deutschen Universitäten haben die etwa 50 belarusischen Hochschulen keine eigenständige Verwaltung. Die Unidirektor:innen werden direkt vom Präsidenten ernannt. Alle Entscheidungen werden staatlich kontrolliert. Privatleben ist für Studierende quasi nicht existent, selbst normale Treffen mit mehr als zehn Freunden in der Öffentlichkeit laufen unter dem Radar der Regierung.


Diese Ungerechtigkeit wollte sich das Aktionsbündnis Belarus nicht weiter tatenlos mit ansehen. Zunächst starteten sie eine Mail-Kampagne, erstellten eine Website und versuchen im Uni-Kontext für Aufmerksamkeit zu sorgen. Vergangenen Sonntag zeigten sie sich auf der Demonstration „Raven gegen das Patriarchat“ in Berlin und machte auf die die Unterdrückung der Studierenden aufmerksam. „Wir müssen die Politik hier daran erinnern, dass dort Dinge passieren, die so nicht sein dürfen“, meint Teresa.


Das Aktionsbündnis Belarus bei der Demonstration in Berlin Foto: Anastasia Koehler

Der Fokus des Bündnisses liege daher erst einmal darauf, das solidarische Netz innerhalb Deutschlands nach und nach zu erweitern. Gemeinsam mit der Organisation Libereco etwa wird es eine Briefreihe an politische Gefangene geben. Auf der Website bieten sie außerdem viel Informationsmaterial in Form von Posts, Textvorlagen und weiterführenden Links an, um zum Thema Belarus weiter zu informieren. Es wird zudem eine Spendenaktion der Gemeinschaft für studentischen Austausch in Mittel- und Osteuropa (GFPS e.V.) unterstützt, die eine Erweiterung der Stipendienplätze für belarussische Studierende in Europa ermöglichen soll.

Noch aber ist es ein weiter Weg bis ein freies Belarus entsteht. Fragt man Teresa, was sich in Belarus ändern muss, lacht sie nur: „So ziemlich alles“. Für besonders wichtig erachtet das Aktionsbündnis aber, Exmatrikulation aus politischen Gründen vor Ort zu stoppen. In Europa wiederum muss das Verständnis erhöht werden. Um es mit den Worten des Aktionsbündnis vom Wochenende zu sagen: „Seid laut für die, die leise sein müssen!“.


Weitere Informationen bietet euch die Seite des Aktionsbündnisses (https://aktionsbuendnis-belarus.de/) oder die Seite der belarusischen Studierendenorganisation BSU (https://bsu.by/en/).



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