• Nathalie Trappe

Hunger auf Grün: Was steckt hinter Veganismus?


Vegane Ernährung liegt nicht nur bei Studis total im Trend. Wir haben uns die Lebensweise deshalb mal genauer angeschaut und Vor- und Nachteile zusammengestellt.


Warst du in letzter Zeit mal bei Lidl? Dann dürften dir an jeder Ecke Produkte mit grünem Label entgegen geleuchtet haben. Mozzarella, Nuggets und Pizza: Quasi alles gibt es jetzt in der Variante ohne tierische Inhaltsstoffe. Und läufst du in Berlin durch deinen Kiez – und mittlerweile ist es egal ob das Kreuzberg oder Wilmersdorf ist – wirst du auch bei fast jedem Café mindestens einen veganen Kuchen finden. Aber was ist dran an dem Trend Veganismus? Und warum bekommt er in letzter Zeit so einen Aufschwung im Alltag?


Zuallererst mal die Fakten: Tatsächlich leben in Deutschland mittlerweile über eine Million Menschen vegan. Das Wort leitet sich übrigens praktisch vom Wort vegetarisch ab. 1944 gründete Donald Watson die Vegan Society, eine Fortführung der Vegetarian Society Englands. Er wollte eine Abgrenzung zwischen Vegetarier:innen und denen, die komplett auf tierische Produkte verzichteten. Auch im Duden werden vegetarisch lebende Menschen mittlerweile als Personen bezeichnet, „ die [aus ethischen Gründen] völlig auf tierische Produkte bei der Ernährung u. a. verzichte[n]“. „Und andere?“ Genau, eine vegane Lebensform schließt nicht nur ein, was du isst. Diejenigen, die über den Insta-Lifestyle hinausgehen, achten auf ihren gesamten Konsum. Das heißt, es geht auch um Kosmetikprodukte und Kleidung. Für nichts, was wir konsumieren, soll ein Tier (oder sogar mehrere) gelitten haben.


Damit kommen wir aber direkt zum ersten Knackpunkt am Veganismus: die Finanzen. Zwar gibt es mittlerweile auch Discounter, die zumindest vegane Nahrungsmittel zu einem annähernd angeglichenen Preis verkaufen. Außerdem kann man durch einfache Tricks schnell sparen: Die pflanzlichen Grundzutaten wie etwa Reis und Linsen sind günstig zu ergattern. Viele Veganer:innen leisten sich auch einmalig einen guten Mixer, mit dem dann Ersatzprodukte schnell selbst hergestellt werden können. Wenn es dann aber um vegan produzierte Kleidung geht, muss man meist noch tiefer in die Tasche greifen. Denn während konventionelle Kleidungsketten in der Massenproduktion herstellen und Arbeiter:innen unter schlechten Bedingungen beschäftigen, beinhaltet vegane Kleidung eben auch eine ökologische und faire Produktion. So halten die nachhaltig produzierten Klamotten meist länger, kosten aber einmalig mehr. Ein wichtiger Hinweis gilt aber auch bei veganer Kleidung: Der Marken-Name kostet. Für einen veganen, aber kostengünstigen Lebensstil lohnt es sich also, auch abseits der großen Firmen zu schauen - gerade online finden sich einige Stores mit veganer Kleidung und Kosmetika, die bezahlbar bleiben.


Und wie viel hilft diese oft als „Yuppi“-Trend verrufene Lebensweise nun wirklich? Zunächst einmal zur Gesundheit: Anders als oft behauptet, müssen Veganer:innen nicht an Mangelerscheinungen leiden. Wer seine Ernährung ausgewogen zusammenstellt und das „fehlende“ Eisen aus dem Fleisch zum Beispiel mit Linsen oder Haferflocken kompensiert, deckt seinen Nährstoffbedarf nahezu komplett. Der einzige Baustein, der fehlt, ist Vitamin B12. Unser Lebensmittelmarkt ist auf eine Ernährungsweise mit tierischen Produkten ausgelegt, das bedeutet unter anderem auch, dass den zu schlachtenden Tieren B12 schon mit dem Futter zugeführt wird. Diese Ergänzung fällt bei einer veganen Lebensweise weg. Da ein Mangel zu neurologischen Schäden führen kann, sollte dieses unbedingt direkt durch Nahrungsergänzungsmittel oder spezielle Zahncremes zugeführt werden. Ansonsten tun die pflanzlichen Lebensmittel dem Körper ziemlich gut. Sie fördern zum Beispiel die Bildung bestimmter Darmbakterien, die den Fettabbau unterstützen. Neben der immer größer werdenden Aufmerksamkeit für das Klima und das Tierwohl dürfte also auch das Bewusstsein für die eigene Gesundheit ein Grund für den wachsenden Zuspruch für den Veganismus sein.


Fazit? Veganismus ist nicht nur ein Trend, sondern eine wirklich gute Ernährungsform der Moderne. Gerade verglichen mit namhaften Diäten von Brigitte und Co. dürfte eine vegane Ernährung die gesündeste und ausgewogenste Methode sein, um ein gutes Körpergefühl zu stärken. Bei manchen Lebensphasen sind sich die Ernährungsgesellschaften verschiedener Länder jedoch noch uneinig. So rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und Gesundheit zum Beispiel von einer veganen Ernährung während der Schwangerschaft und bei stillenden Personen ab, die US-amerikanische Academy of Nutrition and Dietetics hingegen hält eine ausgewogene pflanzliche Ernährung in allen Lebenslagen für passend. Das Beste ist in jeder Hinsicht, sich mit der eigenen Ernährung auseinanderzusetzen. Denn wer Zeit hat, sich aktiv mit Ernährung zu beschäftigen und gleichzeitig etwas für den eigenen Körper, andere Tiere und unsere Umwelt machen möchte, der oder die sollte ein Leben ohne tierische Produkte auf jeden Fall mal ausprobieren. Denn nie hat vegan einkaufen so Spaß gemacht wie 2021.

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